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dass das internet unsere welt in den letzten zehn jahren mehr veränderte, als die dampfmaschine es damals vor 250 tat, ist wohl unbestritten. dass wir hier so unkompliziert miteinander kommunizieren können, ich euch einen einblick in meine probenarbeit (siehe bild) liefern kann, ist nur eine der vielen errungenschaften dieser technischen entwicklung.


am donnerstag segelten wir in unserer sendung unter dem titel verführerisch. und als ich - wie immer - vor der aufzeichnung das publikum ein wenig in schwung zu setzen versuchte, viel mir eine gruppe von frauen auf, die mir besonders freudig entgegen blickten. als sich die gruppe dann nach der sendung mir vorstellte, hab ich bauklötze gestaunt und wurde ein halbes jahrhundert zurück katapultiert: als vierzehnjähriger knirps, mit dem spriessen der ersten bibeli, bald 50 jahre ist es her, veranstaltete ich am sturmfreien mittwoch nachmittag in der elterlichen wohnung jeweils eine kleine tanzparty mit den neusten schlagern und den nachbarskindern. zu let's twist again, ciao ciao bambino, volare und wenn die conny mit dem peter nippten wir an den sirupgläsern und ....tanzten. logisch warteten wir alle auf die langsamen rythmen und dabei hat's mir nachbars monique besonders angetan. das forsche mädchen liess es nicht beim tanz, sondern gab mir bald auch ein müntschi, das dann im benachbarten kinderzimmer mit dem versprechen, man könne doch auch französische küsse austauschen, zu einer intensiveren schmuserei ausartete. es blieb beim schmusen und war deshalb wohl auch so unvergesslich. und monique stand - ausgerechnet zum thema verführerisch - gestern mit ihren töchtern im studio. es wurde ein vergnüglicher abend....
ups, jetzt hat's mich erwischt. die kälte der letzten tage scheint sich in meinen knochen eingenistet zu haben: die nase läuft, der kopf steckt in einem wattebausch, der hals krächzt, die erkältung scheint perfekt. nicht eben perfekt für morgen, denn da steht die nächste sendung auf dem programm. so bleibt mir nicht viel mehr, als auf besserung zu hoffen und den käfern mit viel tee und honig, mit sauna und inhalationen den garaus zu machen (ich bau in solchen momenten nicht wirklich auf chemie, sondern glaub an die alten hausmittelchen). das adrenalin wirds morgen dann hoffentlich richten. auf dass nase und kopf wieder frei sind und die stimme nicht krächzt wie eine alte krähe. wir werdens sehen. morgen abend

heute morgen klopfte der rosenkavalier der schweizer illustrierten an meine tür und überraschte mich mit der "rose der woche". den kollegen/innen des geschriebenen wortes gefiel unser gespräch in der letzten sendung mit alexandra haas. die studierte sprachwissenschaftlerin führt seit fünf jahren einen sexshop und kam mit einer ganzen gemüseplatte voller spielzeuge vorbei, die schwung unter die bettdecken bringen sollen. was einzelne zuschauer aergerte, freute die redaktion der schweizer illustrierten: ein unbeschwertes gespräch über dildos und vibratoren mit einer unkomplizierten jungen frau, die sex als die höchste form der kommunikation betrachtet.

intensiv war es, dieses wochenende. für einmal kaum gearbeitet hab ich, dafür einiges genossen. ich bin ja wahrlich kein ballfreak und noch weniger eine gesellschaftsamsel. aber die einladung von alexander pereira, dem intendanten des opernhauses und seiner schönen freundin daniela konnte ich beim besten willen nicht ausschlagen, die beiden am opernball zu begleiten. viele juwelen, viel seide, viel gestraffte haut und stolze begleiter dieser schätze waren zugegen.

und ganz nach wiener tradition auch die junge generation: am debütantinnen defilée. irgendwie rührend, mit welcher ernsthaftigkeit die jungen damen und die (noch jünger scheinenden) herren ihren partnerInnen die referenz erwiesen

bis es dann hiess: alles walzer und sich toute la maison irgendwie durch das gedränge tanzte. da drehte sich dann buchstäblich die halbe helvetische wirtschaft einträchtig im kreis, nicht ohne vorher - folgsam wie beflissene sonntagschueler - noch ein paar menuettschritte unisono geprobt zu haben

unsere zeit, so scheint es mir, ist bei allem was sich laufend aendert, wieder reif, traditionen aufleben zu lassen, sozusagen als feste insel an der man sich laben kann.

was sich hier als nette früchte- und gemüseplatte präsentiert, hat einiges mit der belebung allfälliger lahm gewordenen geschehnissen unter der bettdecke zu tun. wir nehmen morgen abend das thema "potent" ernst und lassen uns von dieser charmanten dame

in die geheimnisse anregender spielzeuge rund um den erotischen lustgewinn einführen. wem (wie mir) nicht klar ist, was sich mit solchen werkzeugen

bewerkstelligen lässt, wird bei uns aufgeklärt. im wahrsten sinne des wortes.


alle zwei jahre findet unter den engagiertesten köchen der schweiz ein spannender wettkampf um den goldenen koch statt. eine art kocholympiade: sechs junge, innovative chefs und ihre commis kochen jeweils vor einem grossen publikum und einer strengen jury zwei gerichte.

in bern fand dieser tage vor nota bene 1200 begeisterten zuschauern dieses showkochen statt. in der jury sassen die 14 besten köche unseres landes, lauter hochdotierte michelin sterne träger und gault millau geschmückte koriphaen. und 5 stunden lang wurde von den sechs finalisten gebrutzelt und poschiert, dekoriert und reduziert, alles auf höchstem niveau, von tv kameras beobachtet und von mir kommentiert. sogar das lebende kochmonument paul bocuse,

gab sich die ehre und war an diesem anlass dabei. der begnadete selbstdarsteller, er ist einer der väter der nouvelle cuisine, gab einige bonsmots zum besten. er wies darauf hin, dass er vor jahrzehnten dafür sorgte, dass die köche aus der küche traten und auch einer breiteren öffentlichkeit bekannt wurden. heute, so bocuse, wäre es wohl besser, sie würden wieder vermehrt am herd stehen, anstatt sich in den medien feiern lassen...(jamie oliver sei gegrüsst). interessant, das als kleines schmankerl, ist aber gerade auch das leben von paul bocuse. er hat sein vermögen nicht primär hinter dem herd gemacht, sondern mit der vermarktung seines namens auf allerlei produkten. aber er war ja wohl auf ein grösseres einkommen angewiesen, führt der 84 jährige immerhin drei parallele haushalte mit drei verschiedenen frauen und ihren kindern....auf meine frage, wie er das schaffe, meinte er verschmitzt: ich lebe das, von dem die meisten männer träumen. am goldenen koch 2010 ging der berufstraum von franck giovannini
warum fallen katzen immer auf die beine? solche und hundert andere fragen beantwortet nächsten donnerstag einer meiner gäste. er hat nämlich als wissenschaftsjournalist hunderte von verrückten experimente gesammelt und schon zwei bestseller zu diesem thema publiziert.

reto u. schneider liebt skurile wissenschaftler, die mit ihrer forschungsarbeit oft nützliches, manchmal nur schräges und etwa mal total unsinniges erforschen. wie zum beispiel die frage, was passiert, wenn sich drei männer begegnen, die sich alle drei für jesus halten.... seine bücher zu diesen verrückten experimenten sind schlicht grossartig zu lesen. seit stunden sollte ich mich bei meinen vorbereitungen auch den anderen gästen widmen, komme aber einfach nicht von diesen experimenten los. es ist doch spannend, herauszufinden, weshalb jemand für eine 50er note hundert franken bezahlt....schneider weiss warum. und morgen wissen wir auch alle mehr....

heute hat's mich gepackt. uebers wochenende ist bei uns der garten ja so was von explodiert. von einem tag auf den anderen stand die wiese voller schneeglöckchen, die ersten maerzenglocken strecken ihre köpfe in die luft und die rosen zeigen auch schon die ihre triebe. und was ich letztes jahr ausgesät habe, zeigt auch schon erste zeichen von erwachen. verrückt wie schnell das geht, man hat das gefühl, man könne buchstäblich zuschauen, wie alles erwacht. drum: anstatt ein sandwich irgendwo unterwegs in den kopf zu drücken, zog ich los mit der neuen, chicen rosenschere (war ein sinniges weihnachtsgeschenk), und verpasste in der mittagspause meinen büschen einen coup de printemps. frühlingsgefühle erlebt man ja wirklich am augenfälligsten in der natur. und jedes mal wieder staunt man,

was sich alles aus diesen dürren aesten entwickelt. judihui. jetzt warte ich nur noch auf die brodelnden hormone. die sollen ja bekanntlich den frühling auch spüren...

er ist wohl der bekannteste gipfelstürmer überhaupt. der erste, der alle 14 achttausender ohne sauerstoffmaske bestiegen hat, der wüsten durchquerte und rekord an rekord reihte. reinhold messner, prototipp eines menschen, der stets an die grenzen geht, der diese grenzen zu verschieben versucht und dafür auch seinen preis zahlt. was treibt ihn an? wo setzt er selbst fragezeichen? geht es um die überwindung körperlicher oder geistiger limiten? sieht man auf dem gipfel auch eigene abgründe? messner ist zum ersten mal überhaupt gast in einer talkshow des schweizer fernsehens und ich bin gespannt, was wir von ihm erfahren.



kulturplatz-Blog mit Christoph Marti, auch bekannt als Ursli Pfister
